Die männlich A im Osterzgebirge

12:19:38 18.11.2019 von Alexander Klatte

Fast im Tal der Tränen

Bezirk Sachsen Mitte männlich A

Medizin Bad Gottleuba gegen OHC Bernstadt 24:28 (7:15)

Als ich unmittelbar nach Spielende und dem Abklatschen mit dem Gegner die Jungs direkt auf der Platte um mich versammelte, musste ich erst einmal auf die Anzeigetafel schauen um auch sicher zu gehen, dass wir dieses Spiel gewonnen hatten. Die Gesichter zeigten das nämlich nicht.

Noch in der Kabine vorm Anpfiff warnte ich die Truppe, dass dies ein völlig anderes Spiel als der 41:9-Hinspielerfolg werden würde. Zum einen aufgrund der personellen Situation – mit Max und Tobi fehlen wichtige Stützen und Alternativen, Phillip gleichzeitig mit der 2. Männermannschaft unterwegs, Niclas als Alleinunterhalter im Tor und mit Jonas, Nico und Hannes 3 B-Jugendliche dabei, welche bereits ein Spiel in Bautzen in den Knochen hatten – und zum anderen mit den Rahmenbedingungen einer fremden Halle und dem Wachsverbot.

Trotzdem sollte unsere knapp 2stündige Fahrt bis kurz vor Altenberg ins Erzgebirge nicht umsonst sein und so gabs taktische Vorgaben, welche in den ersten 30 Minuten auch recht gut umgesetzt wurden. Mit einer sicheren 6:0-Abwehr wurde das Angriffsspiel unseres Gastgebers über den Kreis immer wieder unterbunden, Würfe aus der 2. Reihe konnten geblockt oder durch Niclas entschärft werden.

Bis zum 5:3 (10. Minute) blieb Bad Gottleuba dran, ehe mit einem 6:0-Lauf bis zur 19. Minute auf 11:3 gestellt wurde. Trotzdem wurden bereits jetzt zu viel Chancen ausgelassen und auch das Rückzugsverhalten nach Fehlwürfen wurde vergessen. Gleichzeitig begann ich zu wechseln, welches unserem Spiel keinen Bruch gab, aber schon bemerkbar war. Bis zur Halbzeit wurde dann der 8-Tore-Vorsprung verwaltet. Ich mahnte in der Pause die Konzentration zu behalten und aus einer stabilen Deckung heraus weiter zu arbeiten, sich vorn Pausen zu gönnen und sichere Abschlüsse zu suchen… so viel zur Theorie…

Die ersten beiden Treffer nach Wiederanpfiff gelangen dem Gastgeber ehe Luis und Nico uns erstmals mit 9 Toren in Front brachten (18:9 – 36. Spielminute). Was dann bis zur 49. Spielminute passierte lässt sich schwer beschreiben… Bad Gottleuba spielte sich in einen Rausch, wir warfen den gegnerischen Torhüter berühmt (das soll nicht negativ klingen - im Gegenteil, Respekt für diese Leistung!) oder trafen das Tor gar nicht, das Umkehrverhalten wurde komplett eingestellt so dass unser Gegner zu einfachen Toren kam und in der Abwehr wurde nicht mehr zugefasst oder ausgeholfen und demzufolge Niclas im Tor „allein“ gelassen. Leider konnte ich ihm wie auch den Spielern keine Pause gönnen da die Kräfte zusehends schwanden. Alternativen gab es keine da auch unsere B-Jugendlichen verständlicherweise auf dem Zahnfleisch gingen. Unser aufopferungsvoll kämpfender Gastgeber wurde vom jederzeit fairen Heimpublikum immer wieder nach vorn getrieben und mit jedem Treffer wuchs unsere Verunsicherung. Und so stand es nur noch 22:20…

ABER… wie ich das bereits Samstagabend im Mannschafts-Chat schrieb, ich hatte keine Angst um unsere Jungs! Kein Spiel ist wie das andere und in solchen Situationen zeigt sich eine Mannschaft. Sie nahmen diese Herausforderung an, zeigten eine Reaktion und jeder ging ans Limit seiner Kräfte.

Jonas und Gordon stellten auf 24:20, Luis auf 25:21 und Markus mit seinem ersten Treffer in Minute 56 auf 26:21. Bad Gottleuba gab sich aber nie auf, machte 100 Sekunden vor Schluss das 26:23 ehe Luis uns mit seinem 12. Tor erlöste.

Und so konnte ich unmittelbar nach Spielende und dem Blick auf die Anzeigetafel unseren Jungs einen „dreckigen“ Sieg attestieren, bei dem unterm Strich 2 weitere Pluspunkte raussprangen – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger! Dass genug Fehler von jedem Einzelnen gemacht wurden und für 3 Spiele reichen, wusste jeder selbst und wurde auch offen so diskutiert - O-Ton von der Heimfahrt „…bloß gut, dass hinter den Toren nicht die Quote steht…“.

Für mich am Ende ein Sieg des Willens der zwischendurch verloren schien, Gordon und Luis (und das nicht nur wegen 12 Toren) mit absoluten Leader-Qualitäten, ein Gegner der uns alles abverlangt und sich dafür meinen größten Respekt verdient hat und ein Dankeschön an die Jungs, dass ich bei über 3,5 Stunden Busfahrt einen Einblick in den Musikgeschmack der heutigen Jugend „bekommen durfte“.                  

OHC mit: Niclas (Tor), Gordon (4), Jordan (3), Paul, Luis (12/4), Moritz (2), Markus (2), Jonas (1), Nico (1), Martin (2), Hannes (1),

Oliver Marschke         

  

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