Die 1.Männer zu Hause gegen den nunmehrigen Spitzenreiter

23:33:46 10.10.2020 von Alexander Klatte

Ein Rädchen ins andere

Verbandsliga Männer

OHC Bernstadt – HSV Dresden II  25:29 (13:12)

Akribisch ging Maik eine Stunde nach dem Spiel in die Kabinen. Grundordnung herstellen. Währenddessen Tom noch mit Desinfektion die Klinken abrieb. Das ist alles wichtig, da greift jedes Rädchen ins andere. Nur so können wir diesem auch heute fantastischen Publikum weiterhin unseren Handballsport zeigen. Die Halle war sehr, sehr gut besucht. Und die Fans unterstützen das Team bis zur letzten Sekunde. Während die Dresdner Gäste nach dem Abpfiff ein „Auswärtssieg“ brüllten und die Tabellenführung bejubelten, war wiedermal beim OHC eine allgemeine Fragestunde im Beginnen. Dresden war stark, technisch und mental top eingestellt. Und dennoch wäre es möglich gewesen…wenn die Rädchen ähnlich wie bei den Aktiven im Hintergrund so ineinander greifen würden. Das machen sie nach wie vor, zumindest in der Konstanz eines ganzen Spiels, nicht und dann kann man gegen so eine Truppe nicht gewinnen. Dresden ging als verdienter Sieger von der Platte. Und ja, man spielt auch diese Saison gegen den Abstieg und vermeintlich besser zu bespielende Gegner kommen noch. Das alles stimmt. Und ich bin da auch guten Mutes. Es bedarf aber eine „Feinjustierung“ bei verschiedentlichen Abläufen. Dann, da bin auch ich mir sicher, gehen die nächsten Punkte an den OHC. Ich schwenke um auf 18.30 Uhr. Kurz zuvor vermelde ich dem Publikum noch, dass unsere D-Jugend 25:10 gewonnen hatten. Anpfiff. Die schnelle Führung gleicht Böhm mit schönem Durchspiel aus. Dann passieren eben Dinge, welche in dieser Liga bestraft werden. Fehlpässe zum Beispiel. Simpelste technische Abspiele. Man hat  den Eindruck, dass der OHC erst auf der Platte „mal schauen muss, was man denn so anbieten könne.“ Das ist zu wenig. 1:4. Dresden macht das Klasse. Stefan mit Energieleistung und ein Robert Schetter holt die letzten Lethargiger aus den pushen. 4:4, nachdem Gerlach, welcher heute einer der, vielleicht der Beste beim OHC war, einen Konter einnetzt. 9 Tore gelingen heute dem Rechtsaußen! Und so sehr ich in der letzten Woche doch die eine oder andere Aktion der Schieris hinterfragt habe: das Gespann Hegedüs und Heyde war heute allererste Sahne. Sie zogen konsequent, unaufgeregt und sehr sicher ihre Linie durch. 2 Minuten für Böhm. Die Schiries sehen faktisch alles. Diese 2 Minuten tun dem OHC „sehr weh“. Der HSV spielt in den Kombinationen sicherer und nutzt, trotz eines stark agierenden Schettis im Tor, wesentlich mehr Chancen. Und immer wieder über beide Außen. Das ist für diese Liga sensationell, was Dresden da macht. Vor allem in Unterzahl erzielt der Gast so Tor um Tor. Da zeigt der OHC ein prinzipiell schlechtes Defensivverhalten. Die Passspiele werden schon auf den Halben viel zu inkonsequent zugestellt. Zu weit hinten, ungenügend gestellt, schlecht bewegt. Nach meiner Hochrechnung gelingt den Landeshauptstädtern sieben Mal der Treffer über die Außen – in Unterzahl. Das geht ja gar nicht. Aber: auch der HSV ist eben nicht unfehlbar. Und wenn alle Rädchen greifen… Gerlach ist nicht zu halten, Luis gleicht im Konter aus und Ali macht das 10:9. GEHT DOCH. So geht das doch. Und wieder Gerlach und Flo mit dem 12:11, der in Unterzahl bis kurz vor Schluss wartet und dann trifft. Danny mit feiner Einzelleistung. 13:12. Halbzeit. Dresden war in den letzten Minuten in einer Delle und spielte ihre Aktionen nicht mehr sauber aus. Nach fünf Minuten in Hälfte zwei und fünf (!) Treffern am Stück ist in die Halle große Ernüchterung eingekehrt. 13:16. Wieder die gleichen Fehler. Dieselben technischen Unzulänglichkeiten. Diese unerklärbare Mutlosigkeit. Wie ein unsortierter Haufen rennen die Gastgeber gegen eine rote Wand, welche liebend gern die verlorenen Bälle bei dem nun im Kasten stehenden Norman einnetzt. Selbst bei einem nun eingesetzten 7:6 ohne Torwart kann man keinen numerischen Vorteil erspielen. Drei Fehlwürfe am Stück. Überhastet, unkonzentriert, vom Gegner provoziert. Danny Burkhardt trifft, dann Tony, wieder Tony mit herrlichem Heber. Und Willi in einem fantastischen 1:1 gegen die halbe Abwehr. 17:17. Alles drin, bis Tony 2 Minuten sieht. Und die Gäste das zu drei Toren nutzen. Auch Böhm muss wieder runter. 17:21. Und so langsam muss man sich was einfallen lassen. Über die Außen läuft es nur über rechts. Gerlach macht alles und jeden. Ich glaube nur ein Fehlwurf. Die gleiche Effizienz läuft über links nicht. Weil die Pässe dort so gar nicht ankommen. Zunehmend wird nach meinem Gefühl zu oft gewechselt. In der Abwehr noch nachvollziehbar. Aber im Angriff scheint es noch durchweg ein „Erstaunen zu geben“, wer denn jetzt wo spielt. Und obwohl ja alle Spieler seit zig Jahren die Kombis lernen, faktisch mit der Muttermilch einziehen, ist von einem strukturierten Handball nicht allzu viel zu sehen. Auf die Mitte, suchen, wo ist Ali?, wo ist Flo?. Wer versteht gerade, was wir hier überhaupt spielen? Dort fehlt mir die Ruhe, fehlen klare Kommandos. Tempo- und Stoßrichtungswechsel. So bleibt man zu großen Teilen ausrechenbar. Bis auf Gerlach… der treibt die Abwehr in den Wahnsinn. In einem schönen norddeutschen Krimi hatte ich letztens folgende „Mutformel“ gehört: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es eben noch nicht das Ende.“ Nächsten Sonnabend geht es nach Großenhain. Die haben nun, wie bis zum Tabellen-7. Hartha rauf, auch 2 Punkte. So eng ist das da unten. Offen, ehrlich und fair zu sich selbst finden. Und dann mal 60 Minuten durchziehen. Männer, ihr könnt das. Euer Alex (der vermutlich wegen Arbeit nicht anwesend sein wird).

Der OHC spielte mit:

Tom Seidel, Robert Schetter, Norman Jacobi, Falko Böhmer (3), Stefan Deutschländer (2), Willi Bräuer (1), Karl Bundtke, Tony Ulbrich (2), Danny Ulbrich (9), Alexander Paul (2), Georg Katzer, Florian Weickelt (3), Danny Burkhardt (2), Luis Kahle (1)

 

Trainer: Jens Heinze, Andreas Weickelt

Physio: Jessica Sommerfeld

Zurück

Einen Kommentar schreiben